Heilkunde-Aktuell.de
Mittwoch, 10.03.2010
Akupunktur in Deutschland
Laut Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA), der für die Definition von Leistungen der Gesetzlichen Krankenkassen zuständig ist, gibt es seit Januar 2007 Neuregelungen für Akupunktur.
Nachdem von den Krankenkassen durchgeführte Modellversuche überzeugende Ergebnisse besonders in der Schmerztherapie ergaben, wurden Akupunktur-Behandlungen nun als Regelleistung bei Diagnose folgender Erkrankungen aufgenommen:
- Chronische Schmerzen der Lendenwirbelsäule
- Chronische Schmerzen bei Kniegelenksarthrose
Eine auf den ersten Blick erfreuliche Entwicklung, wenn wir uns daran erinnern, dass Akupunktur früher von Kassen und Schulmedizinern pauschal als "Humbug" abgetan wurde.
Weniger erfreulich ist, dass die auch bei vielen anderen Leiden erfolgreiche Akupunktur nach wie vor nicht erstattet wird und somit nur Selbstzahlern vorbehalten bleibt.
Unerfreulich ist auch, dass Erstattung obiger Behandlungen nur an Schulmediziner erfolgt und dass ferner medizinisch unsinnige Vorschriften bestehen, wie z.B. über die Anzahl der zu setzenden Nadeln.
Ärzte können nun ihre in den vergangenen Jahren gekürzten Kassen-Einkünfte mit Akupunktur aufbessern, sobald sie den Krankenkassen die Teilnahme an 200 Unterrichtsstunden in Akupunktur nachweisen.
Ob einige dieser Ärzte Akupunktur insgeheim nach wie vor ablehnen ist leider nicht prüfbar.
Da bleibt zu hoffen, dass Patienten nicht nur des Geldes wegen akupunktiert werden.
Wenn Naturheilverfahren trotz der in Deutschland bestehenden ideologischen und lobbyistischen Hürden wissenschaftlich anerkannt werden, sollte dies auch weitere Konsequenzen haben.
Vormals von der Schulmedizin abgelehnte Heilmethoden nach deren wissenschaftlicher Bestätigung ausgerechnet an Schulmediziner zu übertragen ist der falsche Weg.
Hierfür spricht auch die Tatsache, dass ein Teil der Ärzteschaft Akupunktur nach wie vor ablehnt und auf Abschaffung der Krankenkassenregelung drängt.
Unser Gesundheitswesen bedarf deshalb einer Neuorientierung zur Einbindung derer, die einst umstrittene, aber heute wissenschaftlich abgesegnete Heilverfahren bereits seit vielen Jahren praktizieren und deshalb
nicht nur über einen erheblichen Vorsprung an Wissen und Erfahrung, sondern auch über die erforderliche positive Einstellung verfügen.
Denn die besten Erfolge gibt es dort, wo aus wirklicher Überzeugung therapiert wird.
Nach derzeitigem Stand ist dies in Sachen Akupunktur wohl eher beim Heilpraktiker der Fall.
Eine faire Lösung und auch zum Wohl der Patienten wäre, wenn Heilpraktikern zumindest die Möglichkeit eingeräumt würde, gegenüber Krankenkassen ihre Kenntnisse in Akupunktur nachzuweisen
und langjährig qualifizierte Akupunkteure in das Kassensystem einzubeziehen.
Anstatt Ärzte zu animieren etwas anzubieten, von dem viele nicht einmal selbst überzeugt sind.
Rüdiger W. Nitkowski
Herausgeber von Heilkunde-Aktuell.de
Bücher über Akupunktur