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Donnerstag, 23.02.2012




Übergewicht durch Fehlernährung und vorzeitiges Altern

von Marita Hubert, Heilpraktikerin in Berlin


"Ich stehe zu meinem Gewicht!" Das ist mutig gemeint, aber eine auf Unkenntnis beruhende Idee. Das Gewicht ist nun einmal eine Last auf dem Bewegungsapparat, was sich irgendwann einmal schmerzhaft bemerkbar machen wird. Übergewicht ist das äußere Zeichen eines Lebensstils, der nach einer gewissen Zeit dem Herz-Kreislauf-System Probleme macht und früher oder später zu Stoffwechselkrankheiten wie z.B. Diabetes führt als Folge einer verfrühten Alterung des Organismus. Bei dem angesammelten Körperfett, welches schon ein Hormone produzierendes Organ an sich ist, handelt es sich um die Folgen des gewohnheitsmäßigen Verzehrs größerer Mengen Kohlehydrate(KH). Nicht Fett !!! KH sind preiswert und allzeit schnell verfügbar. Personen mit einer Tüte Gebäck am Mund sind auf den Straßen kein seltener Anblick.
Andererseits ist es durchaus möglich, dass Menschen trotz wenigen Essens übergewichtig sein können. Ihr Problem ist, dass niemand ihnen das glauben will.

Übergewicht entsteht in der Regel, wenn das Hormon Insulin aus der Bauchspeicheldrüse den Überhang der KH in der Nahrung einem alten genetischen Programm folgend letztlich in Fett verwandelt und in die Fettzellen einlagert wird, als Vorrat für "mageren Zeiten". Hier entsteht dem Organismus eine Menge Arbeit: Das Blutgefäßnetz muss ausgebaut werden für die Versorgung eines anwachsenden Körpervolumens. Dazu kommt, dass auch Nährstoffe weiträumig verteilt werden müssen. Die Nähr-, Schutz- und Hilfsstoffkonzentration fällt dann proportional geringer aus. Hüft-, Kniegelenke und Knöchel ächzen unter der Last. Sehnen und Bänder dehnen sich und Gelenke geraten aus ihrer natürlichen Position, schwellen schmerzhaft an. Es entstehen Stauungen in Blut- und Lymphgefäßen.

Das bedeutet auch Mehrarbeit für Herz, Kreislauf und für die Entsorgungsorgane. Weil KH auf dem Weg der Gährung verarbeitet werden, entstehen Säuren, die vorerst im Bindegewebe verbleiben. Je größer die KH-Zufuhr umso mehr Säuren entstehen Das Säure-Basen-Gleichgewicht wird durch Mineralien reguliert. Falls nicht vorhanden, werden die Knochen geplündert. Das Organsystem muss unter Aufbietung aller Kräfte Fehlfunktionen ausgleichen und das lebenswichtige Säure-Basen-Gleichgewicht zu garantieren, um irgendwie und solange es eben geht den normalen Betrieb aufrecht zu halten Oft mit einem Notprogramm.

Essen ohne Hunger, aus purer Langeweile oder Zerstreutheit sowie Naschen wegen Stress erzeugen zuletzt eine unüberwindbare Esslust. Alles dreht sich um Essen, besonders Süßes, oft ohne wirkliche Sättigung mit sehr bald wiederkehrendem grabenden Verlangen nach mehr. Je mehr gegessen wird, um so mehr wird Insulin ausgeschüttet. Mit dem ständigen Essen, sammelt sich ein Exzess an Insulin im Blut (Insulinämie oder Hyperinsulinismus). Wenn letztlich die Bauchspeicheldrüse durch diesen ständigen Ansturm mit der Insulin-Produktion erschöpft aufgibt und nicht mehr nachkommt, entsteht Diabetes mellitus (Blutzucker). Der Esszwang allein ist schon eine Ess-Störung. Ständig um Essen kreisende Gedanken sind ein KH-Suchtzeichen. So beschrieben von dem Forscher-Ehepaar Richard und Rachael Heller vom Mount Sinai Hospital in New York nach ihrer großen Studie. Menschen, die an dieser Sucht leiden, sind meistens übergewichtig. Andere jedoch können schlank sein. Hier zeigen sich die Störungen am Nervensystem und dem Hormonsystem durch innere Unruhe, Hektik oder sogar Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizit. Auffällig sind Gemütsschwankungen, Gereiztheit, Wutanfälle, auch Müdigkeit, Lustlosigkeit, Benommenheit, Depression bei Schwankungen des Blutzuckerspiegels.
"Sie müssen unbedingt von Ihrem Gewicht runter!" ..... Dann kommen die falschen Ratschläge: FdH, "Low-Fat" (fettfrei), das ganze Programm der Diäten, die den eigentlichen Punkt nicht treffen. Wie nur, wenn man nicht auf sein Lieblingsessen verzichten kann, dass man hilflos und fremd bestimmt ist? Der Betroffene weiß nicht, was er tun kann, um das grabende Verlangen nach Essen, meistens nach KH, zu unterdrücken. Man sagt ihm, dass er weniger essen soll. Aber es geht nicht. Aufraffen und Sport treiben? Alle Versuche misslingen. Verlassenheitsgefühl, Depression, Traurigkeit, das Gefühl des Versagens, Schuldgefühle, Selbstbeschimpfungen, Scham und sich dann selbst Aufgeben kennt nur derjenige, der dieses selbst erlebt hat. Aber es ist keineswegs die Schuld des Betroffenen sondern die der hormonellen und biochemischen Vorgänge in seinem Organismus. Die Reaktion auf seine schlechten Essgewohnheiten. Allein mit Willenskraft und Disziplin kann eine hormonbedingte Auswirkungen in Form einer Ess-Störung nicht beherrscht werden. Die dauernde Anwesenheit des Hungerhormons Insulin trägt hier die Schuld.

Die von der vorherrschenden Lehrmeinung immer noch verordneten FdH und "Low-Fat" (fettarmen) jedoch zwangsläufig KH-reichen Abmagerungsdiäten verfehlen das angestrebte Ziel völlig. Zuerst werden immer die Eiweiß-Strukturen angegriffen und abgebaut: Muskeln, Knochen, Organe (Herz und Niere)und nicht das Körperfett. Diese Abmagerungsdiäten erweisen sich darüber hinaus als eine einzige Katastrophe, weil auch der Mineralhaushalt aus dem Gefüge gerät. Der Organismus stellt sich bald seinem uralten genetischen Programm folgend auf eine Hungerperiode ein und hält sein Fett möglichst lange fest.

Weil der Eiweißanteil unserer Körperstrukturen ständig abgebaut und verbraucht wird (selbst wenn wir schlafen), muss diese Substanz zügig ersetzt werden. Geschieht das nicht, verarmen unsere Körperstrukturen und es ergibt sich ein beschleunigter Alterungsvorgang. Abnutzungserscheinungen an Knochen, Gelenken und Organen sowie Funktionsstörungen selbst schon bei Schülern sind die Folge. Wichtige Strukturen wie das Hormonsystem (Hormone, Botenstoffe), das Isolationsmaterial unserer Nerven, die Umhüllung unserer sämtlichen Körperzellen und das Gehirn bestehen aus Fett, welches ebenso über die Nahrung zugeführt werden muss. Eiweiß und Fett sind unsere Körperbausteine. KH dienen als Brennmaterial für die Gewinnung von Körperwärme und Arbeitsenergie. Fett kann auch als Brennmaterial dienen, wird jedoch zuallererst in die Gewebestrukturen eingebaut. Im Gewebe ist immer Fett vorhanden, so dass es notfalls in KH umgewandelt werden kann. Daher muss man KH nicht in solch großen Mengen essen.
Die Gewichtung der Nahrungsmittel zueinander ist der vitale Punkt. Bei zu vielen KH wendet sich der Exzess der erzeugten Energie gegen uns. Unsere Vorfahren waren Jäger und Sammler. Wir wissen, dass es vor der Steinzeit keine Getreidefelder gab. Unsere Ahnen bezogen ihre KH aus Wurzeln, Gräsern, Samen und rund 350 Pflanzen, die uns heute nicht mehr bekannt sind. Weil unser Körper immer noch funktioniert wie der unsere Ahnen, müssen wir unbedingt eine Brücke schlagen von der Nahrung unserer Vorfahren zu unsern heutigen Ernährungsmöglichkeiten. Es muss uns bewusst werden, wie wichtig es auch für den Menschen ist, sich "artgerecht" zu ernähren. Wir dürfen uns niemals so verkommen lassen, dass wir ernährungsbedingt, leiden müssen, vorzeitig altern und zu früh sterben..

Wenn die Bauchspeicheldrüse einmal in ihr Gleichgewicht zurückfindet, werden alle anderen Hormondrüsen ebenfalls zu ihrer vorgegebenen Funktion finden. Der Stoffwechsel kann sich erholen und wir können zufrieden "normal" älter werden.
Nur eine zielgerechte Ernährungs-Therapie kann den Missstand beheben, den Stoffwechsel und den Organismus gesunden lassen und den Normalzustand herstellen. Auch das grabende, unbeherrschbare Verlangen nach Süßem lässt in recht kurzer Zeit nach, so dass sich die Gedanken wie von selbst anderen Dingen zuwenden und endlich Ruhe einkehrt.

Diese individuelle und sehr persönliche Therapie kann nur ein auf diesem Gebiet langjährig erfahrener Behandler durchführen.

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Autorin

Verfasserin dieses Beitrags

Marita Hubert, Heilpraktikerin in 10625 Berlin