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Sonntag, 05.02.2012
Das Sinusitis-Syndrom
Ganzheitliche Ansätze zur Behandlung von Atemwegserkrankungen
1. SINUSITIS - DEFINITION
Unter Sinusitis versteht man die Entzündung der pneumatischen Räume des Gesichtsschädels.
Es besteht eine schleimige, bei bakteriellen Infektionen auch eitrige Sekretion in die befallene Nebenhöhle und über deren Ausführungsgang in die Nase oder in den Rachen.
Ein respiratorisches Flimmerepithel kleidet Sinus und Nasenhaupthöhle aus. Über enge Ausführungsgänge werden Schleim und Sekret in die Nasenhaupthöhle abtransportiert.
Bei einer Entzündung der Nebenhöhlen sowie bei allergischen Prozessen kommt es an diesen Aus- führungsgängen zur Einschränkung der Ventilation und Drainage.
Dies ist die wichtigste Ursache der Erkrankung.
Ein Circulus vitiosus beginnt:
- Ödembildung der die Räume auskleidenden Schleimhaut
- Sekretstau
- Schädigung der Zilien und Epithelien
- Entzündung der Lamina propria mit verstärkter Schleimhautschwellung
- Empyembildung möglich
- verstärkte Verlegung der Ausführungsgänge der Sinus.
Viren, Pneumokokken, Haemophilus influenzae, hämolysierende Streptokokken, Staphylokokken, Escherichia coli und Pilze können Verursacher sein.
Sind alle Nebenhöhlen entzünden, spricht man von Pansinusitis.
Schmerzen/Blutungen im Bereich der Nebenhöhlen können auch auf außendruckabhängige Faktoren zurückzuführen sein, z.B. im Tauchsport oder beim Fliegen, insbesondere wenn es bereits Vorschädigungen gibt.
Der Bezug zwischen Sinusitiden und dem bronchopulmonalen System (Sinubronchitis, Bronchiektasen, Asthma, Mucoviszidose) ist stets zu berücksichtigen und kann auf eine Systemerkrankung des Respirationstrakts zurückzuführen sein.
2. ÄTIOLOGIE
Die akute Sinusitis entsteht fortgeleitet aus einer akuten Rhinitis abhängig von der Virulenz der Erreger. Schleimhautdisposition, Verschwellung der Nebenhöhlenausführungsgänge, sowie allgemeine Abwehr-schwäche sind prädisponierend.
Die chronische Sinusitis geht meist aus einer nicht ausgeheilten akuten Sinusitis hervor. Man findet
a) die serös-polypöse Form. Bei entsprechender Schleimhautdisposition – oft gepaart mir allergischer Komponente – bildet sich eine polypöse Schleimhaut, die durch die Ostien bis in die Nasenhöhle vorwächst. Die Polypen verursachen eine behindernde Nasenatmung, dumpfe Kopfschmerzen, Hyp- oder Anosmie und einen schleimigen Sekretabfluß in den Rachen ("Schleimstraßen").
b) die eitrige Form. Bei andauernder bakterieller Besiedelung der Nebenhöhlen kommt es zu Schnupfen mit eitriger Sekretion aus der oder in die Nase. Bei chronischer Sinusitis können Schmerzen völlig fehlen.
c) die odontogene Kiefernhöhleneiterung. Durch Wurzelgranulome der Molaren oder (seltener) Prämolaren oder nach einer Zahnextraktion mit Eröffnung der Kieferhöhle kommt es zu einer bakteriellen Besiedelung der Nebenhöhle (häufig Anaerobier) mit einseitiger Kieferhöhleneiterung. Das Sekret ist dabei dünnflüssig und von fötidem Geruch.
Im Kleinkindesalter kommt am häufigsten die akute Sinusitis ethmoidalis vor, da diese als erste Nasennebenhöhle ausgebildet ist (Protrusio bulbi und eitriger Nasenfluß bei Ober- und Unterlidschwellung). Erwachsene erkranken meist an Sinusitis maxillaris acuta, da dentogene und rhinogene Entstehung möglich ist.
3. SINUSITIS - KOMPLIKATIONEN
Sinusitiden können ein Orbitaödem und eine orbitale Periostitis verursachen. Bei eitriger Sinusitis kann es zur Bildung von Abszessen und zum Durchbruch der Eiterung in die umgebenden Strukturen kommen. Dies bedeutet für die Stirnhöhlen, dass es bei einem Durchbruch nach oben zur Osteomyelitis des Stirnbeins kommen kann.
Ein Durchbruch nach unten erfasst den Nasen-Augen-Winkel. Ein Durchbruch nach hinten ins Schädelinnere kann zu endokraniellen Komplikationen führen (Sub- und Epiduralabszeß, Frontalhirnabszeß, Thrombophlebitis des Sinus sagittalis sup., Cavernosusthrombose, Meningitis).
Bei Verdacht sollte ein CT durchgeführt werden.
Sind die Siebbeinzellen betroffen, kann ein Durchbruch nach unten zur Orbitaphlegmone, ein Durchbruch nach vorn zu einem Befall des Nasen-Augen-Winkels führen.
Bei Sinusitis der Kieferhöhle kann es beim Kleinkind zum Durchbruch nach unten in den Oberkiefer kommen, was eine Osteomyelitis mit Abstoßung von Zahnkeimen zur Folge haben kann.
4. KLINIK
Stirn- und Kieferhöhlen erkranken häufig im Anschluß an eine Rhintis bzw. im Verlauf eines grippalen Infektes. Leitsymptom der Sinusitis ist die Klopfdolenz über der befallenen Region, meist in Kombination mit Kopfschmerzen, die sich durch Bücken oder Pressen intensivieren und vermehrt in den (Vor-)Mittagsstunden auftreten können.
Die Nasenatmung ist behindert, die Geruchswahrnehmung gestört. Schmerzen werden auch hinter den Augen, am inneren oberen Augenwinkel sowie am Austrittspunkt des N. infraorbitalis angegeben. Bei der akuten Sinusitis besteht Klopf- und Druckschmerz im Stirnbereich infolge eines Sekretstaus in der Stirnhöhle. Bei Stirnhöhlenvereiterung zeigt eine Schwellung mit Rötung und Ödem einen beginnenden Eiterdurchbruch. Kommt es zum Abszeß, kann das Lid nicht mehr geöffnet werden. Eine Osteomyelitis oder eine Meningitis können die Folge sein.
Bei der chronischen Sinusitis sind die Schmerzen meist geringer, dafür kann die polypöse Form die Nasenatmung stärker behindern; das Sekret ist eher schleimig, während es bei der eitrigen Form eher dünnflüssig-eitrig ist. Die odotogene Form imponiert durch stark riechendes, eitriges Sekret.
5. SINUSITIS - DIAGNOSE
Die Diagnose wird aus der Anamnese und den klinischen Symptomen gestellt. Dabei sollte auch die Möglichkeit eines allergischen Geschehens ebenso in Betracht gezogen werden (ggf. Auslöser testen) wie eine mögliche toxische Belastung, z.B durch Raum- oder Umweltgifte.
Bei der akuten Sinusitis ist die Schleimhaut in Nase und Rachen hochrot, geschwollen und schleimig/eitrig. An der Rachenhinterwand zeigen sich oft die typischen grauen "Schleimstraßen" oder die weißlichen Beläge der "Eiterstraßen". Der Sekret-abfluß im Rachen bewirkt vielfach einen Räusper- oder Hüstelreiz. Neben den charakteristischen Klopf- und Druckdolenzen der Sinus können Allgemeinsymptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Schnupfen und Schluckbeschwerden bestehen. Die Lymphknoten der Kopf-/Halsregion sind vergrößert.
Als weitere Untersuchungsverfahren bieten sich die Rhinoskopie, die Diaphanoskopie (bei einseitiger Kiefernhöhlenentzündung ist die betroffene Seite im Vergleich zur gesunden weniger lichtdurchlässig), die Sonografie, Röntgen sowie – bei eitriger Sinusitis – ggf. Bakteriologie mit Keimbestimmung. Auch an eine Untersuchung der Zähne sowie an eine internistische Untersuchung der Bronchien und der Lunge ist zu denken.
6. DIFFERENTIALDIAGNOSE
- Aus dem HNO-Bereich:
Mukozele, Pyozele, Pneumatozele, Tumoren der Nase und Nebenhöhlen
- Bei einseitiger chron. Sinusitis ist insbesondere bei älteren Patienten ein Tumor auszuschließen
- Differentialdiagnose Gesichtskopfschmerz:
Trigeminusneuralgie, Kieferneuralgie, Migräne, Bing-Horton-Syndrom, Arteriitis temporalis, Meningitis, Costen-Syndrom, Augenerkrankungen
7. SINUSITIS - THERAPIEN
Behandlungsziel bei Sinusitis – akut wie chronisch – ist die Verbesserung der Schleimhautdurchblutung und der Fließfähigkeit des Sekrets sowie die Steigerung der Abwehrkräfte.
a. SCHULMEDIZINISCHE BEHANDLUNG
Die akute Sinusitis wird mit schleimhautabschwellenden Mitteln (Nasentropfen, evt. mit Cortison-Zusatz), Acetylcystein-Spray sowie oralen Antibiotika behandelt.
Bei Eiterung sind orale Antibiotika obligat, ggf. Sinusdrainage, Punktion und Spülung der Sinus mit anschließender Instillation einer Antibiotika-Cortison-Kombination oder eines Fibrinolytikums.
Bei chronischer Sinusitis erfolgt die Behandlung entsprechend der Genese:
Vasokonstriktorische Präparate, Antiphlogistika, schleimhautprotektive Mittel, Wärmeanwendungen und Inhalationen. Nasenspülungen mit schwacher Salzlösung und / oder Kamille. Bei Therapieresistenz ist meist die Operation das Mittel der Wahl.
b. GANZHEITLICHE THERAPIEN
Wie gesagt: Das Behandlungsziel ist in erster Linie, die Abwehrkräfte zu steigern sowie die Schleimhautdurchblutung und die Fließfähigkeit des Sekrets zu optimieren. Dazu bieten die sog. alternativen Heilmethoden viele verschiedene Möglichkeiten:
- Eigenblutbehandlungen bewirken eine grundlegende Umstimmung und Immunmodulation
Bei akuter Sinusitis:
Dreimal wöchentlich je 0,3 ml Venenblut z.B. mit 1 Amp. Euphorbium comp (Heel) oder Schwörosin (Pharma Schwörer) mischen und sofort intramuskulär injizieren. Ab der 2. Woche nur noch zweimal wöchentlich mit 0,5 ml Blut, 3. und 4. Woche nur noch einmal wöchentlich, maximal 1 ml Blut. Weiterbehandeln bis zum Verschwinden der Symptome
Bei chronischer Sinusitis:
3 – 4 Wochen lang zweimal wöchentlich 0,5 – 1 ml Blut wie beschrieben mischen und applizieren, ab 5. Woche nur noch einmal pro Woche. Weiterbehandeln bis zum Verschwinden der Symptome
Die zusätzliche Gabe von immunstimulierenden Ampullen-Präparaten hat sich bewährt, z.B. Schwörotox (Pharma-Schwörer) oder Natuimmun (Hevert)
- Phytotherapie:
Pflanzen mit sekretolytischen Eigenschaften, z.B. Thymian, Primel, Fichtennadelöl, Eibisch, Anis, Fenchel. Die in den Pflanzen enthaltenen Saponine wirken auswurffördernd und schleimverflüssigend
Pflanzen mit entzündungshemmenden Eigenschaften, z.B, Kamille, Hamamelis
- Tee:
Kamille, Holunderblüten
- Inhalation:
Zur Sekretlösung und Förderung der Durchblutung Inhalationen, z.B. mit Kamille, mehrfach täglich für 10 – 15 Min.
Bewährt hat sich folgende Rezeptur zum Inhalieren:
Je 50 g Eukalyptus, Myrte und Thymian mischen, 3 gehäufte Esslöffel davon mit ½ l kochendem Wasser übergießen, 10 min ziehen lassen. Dreimal täglich 10 – 15 min inhalieren
- Rotlichtbestrahlungen werden meist als angenehm empfunden. Durch Wärme wird der Schleim verflüssigt und kann besser abfließen. Cave:
Kein Rotlicht bei Schmerzverstärkung unter Wärmeeinwirkung, da dies ein Hinweis auf Zunahme des entzündlichen bzw. eitrigen Prozesses sein kann
- Nasenspülungen mit Solelösung zur Befeuchtung der Schleimhäute
- Gurgeln mit Desinfizienzien:
verringert den Räusper- und Hüstelreiz
- Ausleitungsverfahren, z.B. Senfmehlpackungen (stark hyperämisierend):
Senfmehl mit lauwarmem Wasser zu einem dicken Brei anrühren, in ein Stück Stoff oder Mull einpacken und für wenige Minuten auf die Stirn- bzw. die Nebenhöhle auflegen. Vorsicht, nicht in die Augen bringen
Bei Bronchienbeteiligung Senfmehlpackung auf die Brust auflegen. Eine kräftige Hautrötung ist die erwünschte Folge. Danach die Haut vorsichtig abwaschen und trockentupfen
- Akupunktur:
Zwischenbrauenpunkt, Nebenhöhlen bds. (fingerbreit lateral der Nasenflügel, direkt am Locus dolendi)
- Neuraltherapie:
Störfeldsuche (häufig Tonsillen, Zähne). Injektionen mit 2 ml einprozentigem Procain oder Lidocain plus z.B. 1 Amp. Euphorbium comp (Heel), 2 ml, an die Stirnhöhle (Zwischenbrauenpunkt) sowie an die Nebenhöhlen (Austrittspunkt N. infraorbitalis). Subcutan jeweils ca. 0,5 – max. 1 ml applizieren, Einstichstellen ausreichend lang komprimieren, um Hämatome zu vermeiden
Gelegentlich hilft auch das Tamponieren der Nasenhöhlen mit Zellstoff, der zuvor mit einem Neuraltherapeutikum getränkt wurden
- Zur Stärkung der Widerstandskraft:
Ansteigende Voll- oder Fußbäder, Kneipp’sche Anwendungen, kalte Gesichtsgüsse, Sauna, Kopfdampfbäder, Kuraufenthalte an der See oder im Gebirge (Reizklima), auf warme Füße achten
- Immunstimulierende orale Präparate:
Echinacea, Eleutherococcus, Myrtus communis
In meiner Praxis haben sich zum Beispiel folgende orale Präparate bewährt:
Phytotherapeutika:
Angocin Anti-Infekt N (Repha)
Gelomyrtol und Gelomyrtol forte (Pohl-Boskamp)
Lymphozil (Cesra)
Komplexhomöopathika:
Euphorbium comp (Heel)
Sinusitis Hevert SL (Hevert)
Sinfrontal (Müller Göppingen)
Sinusitis Weliplex (Weber+Weber)
Luffa (Nestmann)
Enzympräparate:
Wobenzym / Phlogenzym / Mucozym (Mucos)
- Homöopathische Einzelmittel aus der Hand des erfahrenen Homöopathen sind in manchen Fällen – insbesondere bei Kindern – das Mittel der Wahl.
- Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist die ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit. Patienten, die täglich drei Liter trinken (vorzugsweise warme bzw. heiße Getränke), genesen nach meiner Erfahrung schneller als "Trinkmuffel".
- Ständige Infektanfälligkeit weist auf ein nicht intaktes Immunsystem hin. Eine Darmsanierung (Symbioselenkung mit mikrobiologischen Präparaten wie z.B. Symbioflor 1 und 2 bzw. ProSymbioflor) ist häufig Grundvoraussetzung zur Stabilisierung der Immunlage. Insbesondere nach häufiger Antibiotikagabe befindet sich das körpereigene Immunsystem oft in desolatem Zustand. Dadurch kann es zu unkontrolliertem Wachstum von pathogenen Keimen kommen, insbesondere von überschießendem Pilzbesatz der Darmschleimhaut. Dies zeigt sich durch Heißhunger auf Süßes, Meteorismus, Kopfschmerzen, gelegentliches Unwohlsein mit Übelkeit, Hautunreinheiten, Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Eine Stuhluntersuchung auf pathogenen Pilzbesatz ist das Mindestmaß an Untersuchungsaufwand.
In meiner Praxis haben sich Bestrahlungen mit einem MID-Laser (Helium-Neon- plus Infrarot- Röhren) bewährt:
Bei akuter Sinusitis die Stirn- sowie beide Nebenhöhlen je 2 – 4 Min. lang bestrahlen
8. SINUSITIS - PRAXISFÄLLE
(1) Sebastian H., Jahrgang 1998, erstmals in meiner Praxis vorgestellt im September 2004
Beschwerden:
Hüstelreiz, Abgeschlagenheit, leichter Stirnkopfschmerz, normale Temperaturen, Rhinitis, Schluckbeschwerden, laufende Nase, Schlafstörungen, kein Anhalt für Eiterung. Die Mutter berichtet, der Junge habe diese Beschwerden in den letzten zwei Jahren wiederholt gehabt; Antibiotika seien bisher nicht eingesetzt worden (sie lehne Antibiotika aus grundsätzlichen Erwägungen heraus ab). Das Kind habe sich bisher stets ohne Medikamente wieder erholt, die Genesungszeit würde jedoch von Mal zu Mal länger, und die Einschulung stünde bevor.
Befund:
Blasse Gesichtsfarbe, guter Allgemein- und Ernährungszustand. Temperatur 37,6 °, Rachen rot, deutliche Schleimstraßen, Tonsillen vergrößert, Klopfdolenz über der Stirnhöhle und den Nebenhöhlen, Schmerzverstärkung beim Bücken. Aus der Nase dünnflüssiges, klares Sekret. Trommelfelle aufgrund von Cerumenbildung nicht beurteilbar. Lymphknoten submandibular vergrößert, gut verschieblich. Lunge und Bronchien, Herz und Abdomen unauffällig.
Diagnose:
Rezidivierende Sinusitiden, Rhinitis.
Therapie:
Tägliche Bestrahlung der Sinus, je 2 min, mit MID-Laser (Helium-Neon-Laser plus Infrarotlicht). Oral:
Sinusitis-Hevert Tbl., 3 x 1 pro Tag. Nach vier Behandlungen waren die Symptome verschwunden. Ich empfahl, die Tabletten noch eine Woche lang mit 1 – 2 pro Tag weiterzunehmen.
Der kleine Patient kam mit den gleichen Symptomen noch einmal im Dezember 2005. Bis dahin sei er ohne jede nennenswerte Erkältung gewesen, so die Mutter. Nach sechs Behandlungen mit Laserbestrahlungen und Sinusitis-Hevert-Tbl. war der Junge erneut beschwerdefrei. Er nimmt die Tabletten aufgrund ihres angenehmen Geschmacks sehr gern.
Als bemerkenswert erachte ich ein kleines, unspektakuläres Gespräch zwischen dem kleinen Patienten und mir während dieser Behandlung. Auf meine Frage, ob er sich auf das bevorstehende Weihnachtsfest freue, druckste er rum. Er bekäme neue Ski geschenkt, da die ganze Familie nach den Feiertagen in den Winterurlaub fahren wolle. Es stellte sich heraus, dass er Skifahren gar nicht mochte und viel lieber zu Hause bleiben würde, da er sich im Vergleich mit seinen beiden großen Schwestern ungeschickt vorkomme. Die Mutter hatte unserem Gespräch aufmerksam zugehört und verstanden, unter welchem Druck der Junge stand. Behutsam machten wir ihm klar, dass er nicht Skifahren müsse, wenn er dazu keine Lust habe. Tags darauf rief die Mutter an, er habe durchgeschlafen und beschlossen, ohne Ski, aber mit Schlitten in den Winterurlaub zu fahren.
(2) Kurt H., Jahrgang 1936, pensionierter Lehrer, verheiratet, zwei erwachsene Kinder. Er berichtete, dass er sich sehr verantwortungsbewusst um seine Mutter kümmere, die mit über 90 Jahren zwar noch nicht pflege-, wohl aber hilfsbedürftig und offensichtlich recht fordernd und dominant sei.
Der Patient litt seit mehreren Jahren unter rezidivierenden grippalen Infekten mit Rhintis und Bronchitis. Eine diesbezügliche Behandlung wünschte er nicht, da die Infekte stets durch Bettruhe und Hausmittel abgeklungen waren. Im Februar 2004 erneute "Erkältung", diesmal heftiger als üblich mit subfebrilen Temperaturen abends, Schluckbeschwerden und Halsschmerzen, Räusperzwang, Schnupfen, "Niesattacken", Druck auf den Ohren und Stirnkopfschmerzen. Der Patient fühlt sich krank, so dass er sich außerstande sah, seine Mutter regelmäßig zu besuchen – auch aus Furcht, sie anzustecken.
Befund:
Guter Allgemein- und Ernährungszustand, Temperatur oral 37,7° C, Rachen rot und mit Schleimstraßen (Patient ist tonsillektomiert), kein Eiter, Trommelfelle beidseits leicht nach innen gezogen, Lymphknoten submandibular vergrößert, gut verschieblich. Klopfdolenz über den Sinus, Druckdolenz über den Nebenhöhlen. Wässrige, juckende Augen mit leichter Konjunktivitis, Fließschnupfen. Lunge, Bronchien und Herz o.B.
Diagnose:
Sinusitis, Verdacht auf Pollinosis.
Therapie:
Neuraltherapeutische Behandlungen der Sinus (3 Stellen) mit 3 ml Procain und 1 ml Schwörosin A (Pharma Schwörer). Tägliche Bestrahlung der Sinus, je 4 min, mit MID-Laser. Täglich 5 x Euphorbium comp Nasenspray (Heel). Stündlich, ab dem 4. Tag zweistündlich je 1 Tbl. Sinusitis Hevert SL. Gesichtsdampfbäder / Inhalationen mit Kamillensud.
Nach einer Woche keine Druck- und Klopfschmerzhaftigkeit mehr vorhanden. Lediglich der Fließschnupfen und die Augenbeteiligung sind noch – wenn auch abgeschwächt – vorhanden.
Weitere Therapie:
Luffanest Tbl. (Nestmann) 5 Tbl. pro Tag, zusätzlich 3 x 2 Tbl. Sinusitis Hevert SL. Sämtliche Beschwerden gingen binnen weniger Tage zurück. Im Anschluß daran führte ich zur Therapie der Pollinosis sowie zur Stabilisierung des Immunsystems eine Eigenblut-Therapie durch:
- 1. Woche 2 x 0,5 ml Venenblut, gemischt mit je 1 Amp. Euphorbium comp (Heel) und 1 Amp. Natuimmun (Hevert), intramuskulär injiziert
- 2. Woche 2 x 1,0 ml Venenblut plus beide Ampullenpräparate wie beschrieben.
- Ab der 3. Woche 1 x 1,0 ml Venenblut wie beschrieben, bis zum Verschwinden der Symptome – bei diesem Patienten Ende April. Seitdem traten nach Patientenangabe keine nennenswerten Probleme mehr auf. Gelegentliche Beschwerden behandelt er selbständig mit Sinusitis Hevert SL oder Luffanest sowie mit Euphorbium comp.
Seine Mutter ist seit März 2004 endgültig pflegebedürftig; er kann sie nicht mehr alleine versorgen. Ein Pflegedienst sowie andere Familienmitglieder entlasten ihn. Bemerkenswert:
In dem Maß, wie er die Entlastung von dieser Pflicht erlebte, ebbten seine körperlichen Beschwerden ab.
(3) Eva M., Jahrgang 1970, klagte über ständige Beschwerden im rechten Kiefergelenksbereich. Die Schmerzen verstärkten sich, wenn sie erkältet sei, und das komme etwa alle 2 Monate vor. Die Erkältungen äußerten sich in verstopfter Nase, Kratzen im Hals, ständiges Hüsteln, gelegentlich leichter Druck auf den Ohren und Schluckbeschwerden. Sie war zahnärztlich und kieferorthopädisch untersucht worden, ohne Befund. Mir fiel ihre etwas nasale Sprechweise auf. Danach befragt, berichtete sie, sie habe als junges Mädchen ständig Schnupfen gehabt und über viele Jahre Nasentropfen nehmen müssen, um überhaupt Luft zu bekommen. Inzwischen würden Nasentropfen nicht mehr helfen, was bei ihren häufigen Erkältungen recht unangenehm sei. Der HNO-Arzt habe gemeint, damit müsse sie leben.
Befund:
Starke Druck- und Klopfschmerzhaftigkeit der rechten Sinus, trockene, borkige Nasengänge, leicht eingezogenes Trommelfell rechts, Lymphknoten submandibular und sublingual beidseits vergrößert, Rachen rot, trocken, mit Schleimstraßen. Tonsillen beidseits unauffällig. Das Kiefergelenk selbst zeigte sich bei Palpation schmerzfrei und unauffällig. Die Inspektion der Zähne mit gut saniertem Gebiß erbrachte keine sichtbaren Auffälligkeiten. Jedoch erwähnte die Patientin, dass vor einigen Jahren der Nerv des dritten Zahns im rechten Oberkiefer abgetötet worden sei.
Diagnose:
Sinusitis mit Verdacht auf dentogenes Geschehen, chron. Rhinitis.
Therapie:
Neuraltherapeutische Behandlung der fraglichen Zahnwurzel mit einprozentigem Procain. Odonton-Echtoplex (Weber+Weber) 4 x 30 Tr./Tag. Außerdem Euphorbium comp (Heel) Nasenspray 4 – 5 x/Tag. – Die Patientin reagierte bereits am 2. Behandlungstag mit einer deutlichen Verschlimmerung:
Der Zahn würde "toben", der rechte Gesichtsschädel schmerzen. Ich injizierte erneut Procain an die Zahnwurzel und reduzierte die orale Tropfengabe auf 4 x 10 Tr. mit behutsamer, täglicher Steigerung bis auf 4 x 25 Tropfen. Nach einer Woche erhebliche Besserung der Symptomatik, aber die Patientin klagte über leichte Übelkeit jedes Mal nach der Einnahme der Tropfen. Daher verordnete ich ihr stattdessen Sinusitis Hevert SL, zweistündlich 1 Tablette. Das Präparat wurde gut vertragen, die Beschwerden waren nach vierwöchiger Behandlung verschwunden:
Keine Klopf- und Druckschmerzhaftigkeit der Sinus mehr, keine Schleimstraßen, der Rachen unauffällig. Erfreulicherweise beginnt sich auch die Nasenschleimhaut zu regenerieren.
Auch hier findet sich ein Bezug zwischen seelischem und körperlichem Geschehen. Die Patientin lebte in einer unbefriedigenden Beziehung; ihr Partner war wesentlich älter als sie und – wie sie es nannte – "eigentlich ein Patriarch", der von ihr Gehorsam und Anpassung erwartete. Aus Bequemlichkeit und Angst vor dem Alleinsein blieb sie in dieser Beziehung. Sie erinnerte sich dann, dass ihre Zahnschmerzen begannen, als sie zum ersten Mal über Trennung sprach, ihr Partner sie unter Druck setzte und ihr drohte. "Damals biß ich mir einen Zahn an ihm aus", konstatierte sie. Der Zahnarzt tötete (ihr) den Nerv und brachte den Zahnschmerz damit zwar zum Verschwinden. An der Ursache hatte sich aber nichts geändert. Es blieben ständige Beschwerden in der rechten Gesichtshälfte und der Kiefergelenksregion mit der Folge, dass auch die äußere Distanz zwischen ihr und ihrem Partner immer größer wurde ("Ich habe Schmerzen, laß mich in Ruhe!"). Während meiner Behandlung und den begleitenden Gesprächen wurde ihr endgültig klar, wie voll sie die Nase hatte, dass die Beziehung am Ende war und es an ihr lag, den entscheidenden Schritt zu tun. Inzwischen ist sie ausgezogen, hat eine eigene Wohnung und keine Beschwerden mehr.
SCHLUSSBEMERKUNGEN
Nach meinem Verständnis gehört zur ganzheitlichen Therapie unverzichtbar die Frage nach dem WARUM, unabhängig vom rein physischen Zustand des Patienten. Warum ist der Patient krank
- Wie kommt es, dass er genau diese Symptome entwickelt
- Haut und Schleimhaut stellen die Barrieren gegen das "Außen" dar. Wie kommt es, dass sich dieser Mensch gegen "Übergriffe" von außen nicht abgrenzen kann, so dass die schützende Schleimhaut erkrankt
- WOVON HAT ER DIE NASE VOLL
-
Berücksichtigt man, dass jede Krankheit stets auch etwas für den Patienten Positives mit sich bringt, so lässt sich im Gespräch mit ihm oft herausarbeiten, wozu er die Erkrankung "braucht". Selbstverständlich läuft dieses "Brauchen" nicht im Bewußtsein ab. Niemand kann sich bewusst mit einer eitrigen Sinusitis infizieren, von extremen Ausnahmen abgesehen. Aber diese Sinusitis verhilft dem Patienten möglicherweise zu einer Auszeit mit Krankschreiben, Bettruhe, Fürsorge und liebevoller Pflege. Eine solche Auszeit kann er nicht nur zum Gesundwerden, sprich:
Abklingen der Symptome nutzen, sondern auch, um sich beispielsweise von einem Erschöpfungszustand zu erholen oder über Probleme grundlegender Art nachzudenken.
Ganzheitliche Therapie (nicht nur) von Atemwegserkrankungen bedeutet für mich:
eine ausführliche und sorgfältige Anamnese zu erheben
eine gewissenhafte und gründliche Untersuchung durchzuführen
einen klaren und eindeutigen Befund zu erheben
daraus eine Diagnose abzuleiten
eine Behandlung durchzuführen, die die akuten Symptome zum Abklingen bringt
danach eine Behandlung anzuschließen, die an die mögliche Ursache der Erkrankung geht – in diesem Fall das Immunsystem stärken und die Widerstandskraft der Schleimhäute stabilisieren
gemeinsam mit dem Patienten nach Änderungsmöglichkeiten in seiner Lebensführung suchen – mit Empathie, Einfühlungsvermögen und Respekt vor der Persönlichkeit des Patienten
ihm behutsam vermitteln, wo ich Handlungsbedarf bei ihm sehe, um seine Gesundheit wieder herzustellen
Die beiden letzten Punkte sind die heikelsten, aber dieser Behandlungsansatz verspricht nach meiner Erfahrung den größten therapeutischen Erfolg. Die meisten Patienten kennen lediglich die rein symptomatischen Behandlungen:
Da tut es weh, und der Therapeut gibt ihm etwas, damit er die Schmerzen loswird, am besten so schnell wie möglich. Dem Patienten klarzumachen, dass die reine Symptomenbehandlung meist nur ein "Herausschrauben des Warnlämpchens" ist, gehört zu den schwierigen Aufgaben eines Behandlers.
Um dafür eine Basis zu schaffen, muß ich die psychosoziale Situation des Patienten kennenlernen, sein Vertrauen gewinnen und ihn dazu bringen, seine Erkrankung aus anderer Sicht zu betrachten:
Was könnte – unabhängig vom äußeren Auslöser oder Erreger – die Ursache sein
- Wozu ist Krankheit "gut"
- Welche Sprache sprechen seine Symptome
- Ist er bereit, diese Sprache zu verstehen
- Für viele Patienten öffnet sich hier eine völlig neue Welt; der Grad der Betroffenheit dient als Hinweis dafür, ob der Patient diese Sichtweise nachvollziehen kann oder sie für esoterischen Schwachsinn hält.
Läßt er sich auf die ganzheitliche Denkweise ein, hat er gute Chancen, gesund zu werden und zu bleiben. Dabei gebe ich ihm therapeutische Hilfestellung, indem ich mit ihm Änderungen der Lebensführung bespreche, positive Ansätze unterstütze, ihm "den Rücken stärke", ihn mit Empathie und Fachkenntnis begleite und dabei die medizinische Unterstützung nicht außer acht lasse.
Literaturhinweise:
Vom Symptom zur Diagnose (Zöllner/Hadorn)
Practicum (Consilium Cedip)
Naturheilweisen (Consilium Cedip)
Eigenbluttherapie (H. Krebs)
Neuraltherapie (Badtke/Mundra)
Weitere Literatur über Sinusitis
Ein Beitrag von Monika Weber, Heilpraktikerin